Der holländische Landwirtschaftsminister Martijn van Dam möchte eine Revolution einläuten. Nach seinen Aussagen sollen die Niederlande Weltführer bei tierfreier Laborinnovation bis zum Jahr 2025 und damit eine Revolution in der biomedizinischen Forschung einleiten. Mit anderen Worten: Er möchte Tierversuche abschaffen – wenn möglich vollständig.
Für die Umsetzung des Vorhabens erteilte er dem “Niederländischen nationalen Komitee für den Schutz der Tiere, genutzt für wissenschaftliche Zwecke” den Auftrag, einen Plan zu erarbeiten. Dieser wurde ihm bereits überreicht.

Tierversuche - grüne Spritze

Plan zur Reduzierung von Tierversuchen

Der Plan enthält erste Vorschläge zur Umsetzung. So könnten die vom Staat vorgeschriebenen Tierversuche zu Sicherheitsüberprüfungen bis zum Jahr 2025 vollständig ersetzt werden. Dafür soll die Grundlagenforschung – geordnet nach Forschungsschwerpunkten – angeben, wo sie bis 2025 mit ihren Tierversuchen stehen möchten, und danach regelmäßig darüber berichten, wie sie Versuche an Tieren reduzieren.

Auch in der Lehre könnten Versuche an Tieren deutlich minimiert werden. Dazu sei allerdings eine Paradigmenwechsel weg von Praktiken und Überzeugungen notwendig.

Tierversuche - weiße Maus im Glas

Tierversuche abschaffen? – Zweifel an der Umsetzbarkeit

Die niederländische Vorgehensweise ist bisher einzigartig. Zwar hält die EU-Richtlinie von 2010 fest, dass Tierversuche abgeschafft werden sollen. Ein konkretes Datum gibt es bisher nicht. 2013 wurden Tierversuche für Kosmetika bereits abgeschafft. Seitdem diskutieren Wissenschaftler und Politiker, dass nicht in allen Bereichen Tierversuche abgeschafft werden können. Vor allem dann nicht, wenn Forscher komplexe Zusammenhänge im Körper untersuchen möchten. Ohne Tierversuche gäbe es auch weniger Heilungschancen, so die Hauptargumente der Wissenschaftler.

Die Gegenseite tritt mit ebenfalls überzeugenden Argumenten auf. So bestehen immer mehr Zweifel an der Übertragbarkeit von Tierversuchen. Neuen Studien zufolge versagen 90 % aller Medikamente beim Menschen, obwohl sie vorher an Tieren getestet wurden. Datenbanken, Nano- und Human-on-a-Chip-Technologien sind echte Alternativen zu Tierversuchen. Sie müssten nur stärker in die Wissenschaft eingebracht werden.

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