Kurzinfo

Seit mehreren Jahren bedroht eine unerklärbare Krankheit die Gesundheit einiger Seesternarten. Vor allem an der nordamerikanischen Küste, von Mexiko bis Alaska, kam es zu einer massenhaften Ausbreitung der sogenannten „sea star wasting disease“. Hierbei handelt es sich vermutlich um eine Art Virus, welcher die Stachelhäuter befällt und zu Wunden auf der Haut führt. Das Gewebe verfärbt sich weißlich und nach kurzer Zeit fangen die Arme der Tiere an sich zu zersetzen und fallen schließlich ab. Ohne Arme sind die Tiere ausgeliefert und sterben binnen weniger Tage. Trotz der verheerenden Auswirkung der Krankheit, ist bisher leider unklar woher genau die Krankheit kommt und welche Faktoren für die enorme Verbreitung verantwortlich sein könnten. Forscher vermuten jedoch, dass die globale Erwärmung eine große Rolle bei der rapiden Ausbreitung der Krankheit spielt. Aktuellen Forschungsergebnissen zu Folge hat sich der Nordostpazifik an mehreren Orten um bis zu vier Grad erwärmt. Diese erhöhte Wassertemperatur könnte dafür verantwortlich sein, dass sich die Krankheit schneller als gewöhnlich verbreitet. Neben dem Massensterben am Nordostpazifik kam es vor einigen Jahren auch auf Sylt zu einem größeren Seesternsterben. Tausende von ihnen wurden an die Küste gespült und es ist noch immer unklar, was genau der Grund für das Sterben war.

Welche Seesterne sind davon bedroht?

Insgesamt sind mehr als 20 Seesternarten von der „sea star wasting disease“ betroffen, allerdings ist eine Art besonders anfällig und stirbt nach der Infizierung mit dem Virus innerhalb weniger Tage. Die Rede ist vom Sonnenblumen-Seestern auch Pycnopodia helianthoides genannt. Der Sonnenblumen-Seestern gehört zu den größten seiner Art und kommt auf eine Spannweite von bis zu einem Meter. Dabei hat er zahlreiche Arme, nämlich insgesamt bis zu 24. Trotz seiner Größe zählt er zu den schnellsten Seesternen und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von circa einem Meter pro Minute vorwärts. Ein ausgewachsenes Exemplar kommt auf ein Körpergewicht von circa 5 Kilogramm. Farblich können die einzelnen Exemplare stark variieren und kommen in verschiedene Braun-, Rot-, Orange- und Violett Tönen vor. Im Normalfall wird der Sonnenblumen-Seestern circa drei bis fünf Jahre alt und kommt ausschließlich an der Nordamerikanischen Pazifikküste vor. Um sich vor seinen Fressfeinden wie Fischen oder Königskrabben zu retten, wirft er zum Teil seine Arme ab. Ist der Sonnenblumen-Seestern nicht von der „sea star wasting disease“ betroffen, kann er nach dem Abwerfen seine Arme innerhalb weniger Wochen nachbilden. Die wichtigste Nahrungsquelle des Sonnenblumen-Seesterns sind Seeigel, kleinere Seesterne, Seegurken aber auch Krebse oder Schnecken.

Was heißt das für die Zukunft?

Geht der Bestand der Sonnenblumen-Seesterne weiterhin so rapide zurück, hat das vor allem Auswirkungen auf die Seeigel Population. Denn diese wird im natürlichen Ökosystem unter anderem durch den Sonnenblumen-Seestern als Fressfeind reguliert. Fällt dieser natürliche Fressfeind plötzlich weg oder kommt viel seltener vor als dies bisher der Fall war, kommt es zu einer Explosion des Seeigel Bestandes. Doch warum ist eine größere Seeigel Population problematisch? Seeigel ernähren sich vor allem von Seetang und kommen Sie in großen Mengen vor, fressen Sie ganze Seetangwälder kahl. Diese Seetangwälder sind jedoch nicht nur Lebensraum zahlreicher anderer Unterwasserbewohner, sondern auch Nahrungsquelle dieser. Durch das Ungleichgewicht im Ökosystem wird somit die Artenvielfalt im Nordpazifik, aber auch darüber hinaus bedroht. Gleichzeitig gilt auch der Sonnenblumen-Seestern selbst als Beutetier für Fische, Krabben und andere Seesternarten und durch seinen Rückgang wird auch deren Bestand gefährdet. Da noch immer nicht klar ist, wie es zum Ausbruch und zur Verbreitung der „sea star waisting disease“ kommt, könnten noch weitere Seesternarten dem Virus im selben Ausmaß zum Opfer fallen wie der Sonnenblumen-Seestern. Um das zu verhindern, muss jedoch nicht nur die Krankheit selbst besser untersucht werden, sondern auch die möglichen Ursachen für deren rasante Ausbreitung.

Einfluss des Klimawandels auf die Meere

Auch wenn die Gründe für das Massensterben und die Verbreitung der „sea star waisting disease“ nicht zu einhundert Prozent klar sind, kann der Einfluss des Klimawandels als ein schwerwiegender Faktor gesehen werden. Trotz ihrer gigantischen Größe sind die Meere für Veränderungen im Klima anfällig und auf längere Sicht bedrohen diese Veränderungen die Artenvielfalt dieses einzigartigen Ökosystems in welchen auch der Seestern heimisch ist. Wusstest Du zum Beispiel, dass Meerwasser mehr Wärme aufnimmt als Land und sich somit bei steigenden Temperaturen schneller erwärmt? Doch nicht nur das, unsere Meere nehmen auch rund ein Drittel des ausgestoßenen CO2 auf, welches wir Menschen in die Atmosphäre entlassen. Wird das CO2 vom Meerwasser absorbiert, reagiert es mit diesem und bildet Kohlensäure und diese Kohlensäure wiederum senkt den pH-Wert des Wassers. Somit wird das Wasser nicht nur wärmer, sondern auch saurer. Besonders schlimm ist das für all jene Meeresbewohner die eine Kalkschale bilden wie beispielsweise Muschel, Koralle und Seestern, denn deren Kalkschale wird durch den höheren Säuregehalt angegriffen. Ohne intakte Kalkschale sind die Tiere ihren Fressfeinden zum Teil schutzlos ausgeliefert, was zu einem unnatürlich schnellen Rückgang der Muscheln und Co. führen kann. Konkret bedeutet das, dass diese Meeresbewohner auf lange Sicht nicht nur als Futterquelle für andere Lebewesen wegfallen, sondern auch ihrer natürlichen Funktion als Schadstofffilter nicht mehr nachgehen können.

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