Die Krötenwanderung im Frühling kann ein interessantes Spektakel sein. Für die Tiere ist der Weg allerdings beschwerlich und birgt einige Gefahren.

Wenn Du viele Frösche über die Straße wandern siehst, beobachtest Du wahrscheinlich gerade eine Krötenwanderung. Die kleinen Tiere machen das allerdings nicht zum Spaß. Die Krötenwanderung im Frühjahr findet nämlich aus einem bestimmten Grund statt – die Tiere ziehen los, um sich zu reproduzieren. Damit die Kröten auf Wanderschaft gehen können, müssen jedoch einige Umweltfaktoren gegeben sein. Aber auch trotz idealer Bedingungen kommen jedes Jahr viele Kröten auf ihrer Wanderung – nicht zuletzt durch den Menschen – ums Leben.

Warum findet die Krötenwanderung im Frühling statt?

Amphibien, zu denen auch die Kröten zählen, verfügen über eine Körpertemperatur, die von der Außenwelt abhängig ist. Das bedeutet, dass die Körper der Tiere immer kühler werden, wenn die Lufttemperatur sinkt. Bereits im Herbst vergraben sich die Kröten in Laub, das im Wald liegt. Im Winter ist die Außentemperatur dann so gering, dass sich die Kröten kaum mehr bewegen können – sie fallen also in eine Winterstarre und warten auf den Frühling. Dieser beginnt für die meisten Kröten im März. Wenn die Außentemperaturen in der Nacht 5 Grad übersteigen, wachen die Kröten aus ihrem Winterschlaf auf. Wenn es dann auch noch etwas regnet, sind das die besten Voraussetzungen für die Krötenwanderung im Frühling.

Kröte sitzt im Gras

Wohin geht die Wanderung für die Kröten?

Damit die weiblichen Kröten ihre Eier ablegen können, wandern sie zu ihren Laich-Gebieten. Das Weibchen wickelt die Eier dabei um die vorhandenen Wasserpflanzen. Bei diesem Vorgang befruchten die Männchen, die noch immer auf dem Rücken der weiblichen Kröte sitzen, die Eier. Danach trennen sich die Paare und verlassen das Wasser. Die befruchteten Eier bleiben dann so lange in dem Gewässer, bis der Nachwuchs schlüpft. Dieser verlässt das Wasser erst drei bis vier Monate nach dem Ablaichen.

Oft wird behauptet, die Kröten würden jedes Frühjahr zu ihrem Heimat-See zurückkehren, um dort ihre Eier im Wasser abzulegen. Experten sind sich allerdings sicher, dass sich die Tiere bei der Krötenwanderung im Frühling lediglich zum nächsten Gewässer bewegen. Natürlich kann es sein, dass die ein oder andere Kröte auch in diesem Gewässer geschlüpft ist – das ist dann aber reiner Zufall.

Kröten im Teich halten sich an schwimmenden Tennisball fest

Weibchen trägt das Männchen

Vielleicht hast Du schon einmal eine Krötenwanderung beobachten können. Dabei ist Dir bestimmt aufgefallen, dass die kleineren Kröten oft von den größeren Kröten getragen werden. Die kleineren Kröten sind meist die Männchen und die größeren Tiere die Weibchen. Aber warum tragen die weiblichen Kröten die Männchen, wenn sie auf Wanderung sind?

Diese Frage lässt sich aber auch von Forschern nicht eindeutig beantworten. Tatsache ist, dass die kleinen zierlichen Männchen oftmals mehrere Tage am Wegesrand auf ein vorbei kommendes Weibchen warten. Ist es dann so weit, klammern sich die männlichen Kröten am Hals der Weibchen fest. Nicht selten kommt es vor, dass eine weibliche Kröte, während der Krötenwanderung im Frühling, bis zu zehn Männchen auf dem Rücken trägt. Dabei kann sie trotz der Last etwa 600 Meter pro Tag und insgesamt um die fünf Kilometer zurücklegen.

Einige Forscher gehen davon aus, dass sich die Männchen sich auf diesem Weg die weibliche Kröte „sichern“. Grund für diese Annahme ist, dass das beziehungsweise die Männchen die Eier des Weibchens befruchten, wenn sie im Wasser angekommen sind.

Manch männliche Kröte kommt jedoch ohne Weibchen am Laich-Gewässer an. In diesem Fall versucht das Männchen, doch noch an eine weibliche Kröte zu gelangen. Wenn sich allerdings zu viele männliche Tiere an ein Weibchen klammern, kommt es häufig dazu, dass das Weibchen ertrinkt.

Krötenmännchen sitzt auf Rücken von Krötenweibchen

Wann findet die Krötenwanderung statt?

Wenn Du eine Krötenwanderung im Frühling beobachten möchtest, ist das oft eine reine Glückssache. Wenn Du dieses Naturschauspiel aber unbedingt einmal miterleben möchtest, hilft es Dir vor allem, das Wetter zu beobachten. Die Krötenwanderung im Frühling findet in den meisten Fällen bis Ende März statt. Damit die Tiere sich aber auf den Weg machen können, darf es nachts nicht kälter als 5 Grad sein – und das am besten über einige Tage oder Wochen hinweg. Die besten Chancen, die Wanderung der Kröten live mitzuerleben, hast Du allerdings besonders dann, wenn es frisch geregnet hat und die Erde noch feucht ist.

Da die Kröten meist abends und nachts unterwegs sind, wirst Du zu diesen Tageszeiten womöglich am meisten Glück haben. An den Laichplätzen allerdings kannst Du die Tiere auch tagsüber beobachten.

Ist der Mensch eine Gefahr für die Kröten?

Während der Krötenwanderung im Frühling werden einige der Tiere ihr Zielgewässer nicht erreichen. Viele Straßen, die der Mensch gebaut hat, kreuzen den Weg der Kröten. Somit sind die Kröten oft gezwungen, die Straßen zu überqueren. Allerdings kommt es oft dazu, dass der Mensch die Krötenwanderung übersieht und die Tiere mit dem Auto überfährt. Kröten sterben oftmals aber nicht, weil sie direkt überfahren werden, sondern weil schnell fahrende Autos mit einem gewissen Strömungsdruck auf die Tiere wirken.

Einige Naturschützer versuchen deshalb, die Tiere während der Krötenwanderung im Frühling zu schützen. Sie errichten dafür kleine Mauern an den Straßen, sogenannte Krötenzäune. Außerdem werden Fallen und Eimer in den Boden eingelassen. Die Kröten, die in diese Behälter fallen, werden dann von den Naturschützern auf der gegenüberliegenden Straßenseite freigelassen. So können die Tiere ihren Weg ungehindert fortsetzen. Wenn Du den Kröten mit dieser Methode helfen möchtest, musst Du unbedingt auf Deine Sicherheit achten. Damit Dich Autofahrer frühzeitig sehen können, solltest Du eine Warnweste tragen. Außerdem ist eine Taschenlampe oder Stirnlampe hilfreich um die Kröten zu finden.

Kröte sitzt auf der Straße

Kostenintensiver, dafür aber eindeutig praktischer, sind sogenannte Krötentunnel. Vor der Krötenwanderung im Frühling werden Rohre aus Beton unter der Straße verlegt. Die Kröten hüpfen dann in die Röhreneingänge und können die Fahrbahn dann ganz einfach unterqueren.

In machen Gebieten wird zudem während der Krötenwanderung im Frühling mit speziellen Verkehrsschildern auf die kleinen Tiere aufmerksam gemacht. Die Autofahrer wissen dann Bescheid und können, den Kröten zuliebe, langsamer und vorsichtiger fahren. Die angemessene Geschwindigkeit liegt dann bei etwa 30 Kilometern pro Stunde – so können einige Kröten zumindest den Strömungsdruck überleben. Einige Städte und Gemeinden sperren inzwischen aber sogar Straßen, die von der Krötenwanderung im Frühling betroffen sind.

Bildquelle:

  • Kröte sitzt im Gras: ©baguggi – Pixabay.com
  • Kröten im Teich halten sich an schwimmenden Tennisball fest: ©Schico1 – Pixabay.com
  • Krötenmännchen sitzt auf Rücken von Krötenweibchen: ©DerSilent – Pixabay.com
  • Kröte sitzt auf der Straße: ©BaNNanE007 – Pixabay.com
  • Schild das auf Krötenwanderung im Frühling hinweist: ©succo – Pixabay.com