Viele Haustierbesitzer sind sich unsicher, wie sie sich in den letzen Tagen und Stunden mit ihrem Haustier verhalten sollen. Dieser Ratgeber informiert über eine liebevolle Sterbebegleitung bei Haustieren.

Egal ob der geliebte Wellensittich, der verspielte Hamster oder der treue Labrador: Irgendwann muss jedes Haustier gehen. Während Katzen ein relativ hohes Alter erreichen, sterben Kleintiere wesentlich früher. Dennoch ändert es nichts daran, dass Dir Dein eigenes Haustier, egal wie lange Du es hast, schnell ans Herz wächst. Kein Wunder, denn Du bist dessen wichtigste Bezugsperson, fütterst es, ziehst es groß und pflegst es. Da ist auch das Thema Sterbebegleitung eines Tages wichtig, denn schließlich möchte man sein geliebtes Haustier in diesen schweren Stunden nicht alleine lassen.

So kannst Du Dein Haustier begleiten

Schreitet eine schwere Krankheit immer weiter fort, zeigen sich irgendwann erste Anzeichen, dass das geliebte Haustier bald gehen muss. Vermutlich lässt sich beobachten, dass das Tier immer müder wird. Die Ruhephasen werden immer länger, und der Schlaf immer tiefer. Auch wird deutlich, dass das Haustier noch stärker versucht, Kontakt zu seinem Frauchen oder Herrchen aufzunehmen. Es will kaum noch von dessen Seite weichen.

Wenn Dein Tier diese Signale zeigt, benötigt es möglicherweise Deine Hilfe und Unterstützung. Das heißt für Dich, dass nun erste Vorbereitungsmaßnahmen zu treffen sind. Dazu solltest Du ab sofort öfter den Atem deines Lieblings kontrollieren, sowie dessen Körpertemperatur. Ein Fieberthermometer für Tiere gibt es zum Beispiel in der Apotheke. Auch sollte der Lieblingsplatz Deines Haustieres kuschelig mit Decke und Kissen hergerichtet werden. Da sollte auch das geliebte Spielzeug zur Ablenkung nicht fehlen. Der Platz sollte nicht weit entfernt von Dir sein, sodass Du ständig ein Auge auf Dein Haustier werfen kannst um zu prüfen, ob es sich noch bewegen kann oder nicht. Auch sollten Wasser und Futter am Platz bereit stehen.

Bei Hunden kommt es auch öfter vor, dass sie sich, wenn es dem Ende zugeht, zurückziehen möchten. Dieser Wunsch sollte natürlich respektiert werden, indem Du ihm zum Beispiel einen Raum zur Verfügung stellst. Andere Tiere möchten in dieser schweren Zeit nach draußen. Wenn Du keinen Garten hast, kannst du auch eine bequeme Kuschelmöglichkeit im Park oder etwas abgeschiedener in einer schönen entlegenen Wiese aufbauen.

Dass es Deinem Tier immer schlechter geht, äußert sich auch im Verzicht auf das Futter oder das Trinken. Um dem Mangel an Feuchtigkeit zu entgegnen, solltest Du die Nase und den Mund Deines Lieblings in regelmäßigen Abständen mit einem feuchten Tuch abtupfen. Auch die Atmung wird bald schon schwächer und immer unregelmäßiger. Mit dem Atmen „nach innen“ stellt ein Hund zum Beispiel seinen Stoffwechsel ein. Manche Haustiere werden in diesem Stadium unruhig und panisch. Dann laufen sie ziellos herum oder stoßen stöhnende Laute aus. In diesem Fall können auch homöopathische Mittel helfen, das Tier zu beruhigen. Bist Du Dir unsicher, solltest Du immer einen Tierarzt kontaktieren.

Nachdem Du Deinem Haustier ein ruhiges Plätzchen geschaffen hast, solltest Du Dich zu ihm setzen und mit ihm reden oder etwas vorlesen. Ein toller Buchtipp ist zum Beispiel „Der kleine Prinz“. Der Vorteil am Vorlesen ist, dass Du selbst abgelenkt bist und der ruhige, vertraute Klang Deiner Stimme Deinen Liebling beruhigt. Auch kannst Du ihm von Deinen Lieblingserlebnissen mit ihm erzählen und Dich an all die schönen Zeiten zurückerinnern, die ihr geteilt habt. Es hilft auch, sich für manch falsches Verhalten zu entschuldigen. So hast Du später auch kein schlechtes Gewissen und gibst Deinem Tier mehr Wohlbefinden. Dazu ist es ratsam, ein wenig leise Musik zu spielen. Es gibt sogar Tiere, die eigene Vorlieben haben, wenn es um Musik geht.

Wichtig ist, dass Du Dir Zeit für den Abschied lässt. Kinder sollten darum gebeten werden, sich still zu verhalten und das Tier leise zu verabschieden, um es nicht zu beunruhigen. Die Atmosphäre sollte stets ruhig und entspannt sein. Viele Tiere sterben auch über Nacht, vielleicht auch, um es dem Menschen einfacher zu machen. Wenn Du nicht von seiner Seite weichen möchtest, richte Deine Schlafstätte ebenfalls in der Nähe des Tieres ein.

Einschläfern oder nicht

Diese Frage musst Du Dir womöglich irgendwann stellen. In Deutschland gibt es ein sogenanntes Tiertötungsverbot, welches eine Tötung eines Wirbeltieres nur erlaubt, wenn ein vernünftiger Grund vorliegt. Da der Tierschutz seit 2002 ein Staatsziel des Grundgesetzes ist, sind die juristischen Hürden, wenn es um die Tötung eines Tieres geht, deutlich höher als in anderen Ländern.
Der Verstoß gegen dieses Gesetz kann zum Beispiel mit einer hohen Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden. Anders ist es zum Beispiel bei der legalen Gnadentötung, die vor allem aus tierethischen Gründen entstanden ist. Diese darf vorgenommen werden, wenn ein Tier unter nicht heilbaren Schmerzen leidet und ein Weiterleben ohne diese nicht mehr möglich ist.

Deshalb liegt bei der Einwilligung für die Einschläferung des Haustieres auch ein vernünftiger Grund vor, insofern der Tierarzt zu dem Schluss kommt, dass ein schmerzloses Weiterleben des Tieres nicht mehr möglich ist. Die Entscheidung des Tierarztes liegt dabei immer im Interesse des Tieres. Dennoch können psychologische und materielle Aspekte des Tierhalters ebenso mit in die Entscheidung einfließen.

Aus medizinischer Sicht gibt es einige wichtige Faktoren die zeigen, wann der Zeitpunkt für die mögliche Einschläferung des Tieres gekommen ist. Diese sind:

  • Es gibt keinerlei Aussicht auf eine Heilung des Tieres
  • Das Tier wird trotz der richtigen Behandlung weiterhin große Schmerzen haben
  • Weitere Behandlungen dienen nur noch dem Hinauszögern des Sterbens. Das liegt dann vor allem im Interesse des Tierbesitzers. Manchmal ist auch die Tragweite der Erkrankung nicht genau vorauszusagen, etwa bei FeLV, FIV und FIP – den sehr variablen Viruserkrankungen von Katzen.
  • Eine weitere Behandlung führt zu noch größerem Leiden. Chemotherapien oder pharmamedizinische Behandlungen dienen vor allem der Hoffnung, können aber keinerlei Erfolg voraussagen.
  • Therapien scheitern. Vor allem bei Virusinfektionen oder Tumorerkrankungen können diese nicht helfen.
  • Das Tier nimmt keine sozialen Kontakte mehr wahr und der Appetit schwindet, oder lässt komplett nach. Das Tier ist nicht mehr in der Lage sich selbst sauber zu halten, und kann sich nur noch schlecht, oder gar nicht mehr bewegen.

Die Akzeptanz des Sterbens variiert von Mensch zu Mensch. Viele sind sich schon beim Adoptieren des Haustieres bewusst, dass es nicht der ewige Begleiter sein wird. Andere fallen bei dessen Verlust komplett aus allen Wolken. Es gibt jedoch auch Momente, in denen sich die Frage nach der Sterbehilfe gar nicht mehr stellt, und zwar dann, wenn alles andere außer dem Einschläfern keinen Sinn mehr macht. Dennoch bleibt es ein Wechselbad der Gefühle. Denn keiner möchte Richter über Leben oder Tod des Tieres sein.

Deshalb fällt die Entscheidung auch schwer, das Einschläfern zu akzeptieren. Denn Du musst diesem ebenso in unbedingt nötigen Fällen zustimmen. Dann gilt es auch zu entscheiden, wann der richtige Moment ist, das Tier einzuschläfern. Diesen Zeitpunkt gibt es leider nicht. Da hilft ein vertrautes Gespräch mit dem Tierarzt.

Gemeinsame letzte Momente

Früher war die Sterbehilfe für Tiere kein großes Thema. Damals landeten sie häufig einfach in der Abdeckerei. Doch heute hat sich das glücklicherweise geändert. Der Umgang mit Haustieren wird immer vertrauter. Auch Tierbestattungen sind heute Gang und Gebe. Bestattungsunternehmen bieten einen Ruheplatz auf dem Friedhof, Abschiedszeremonien, Urnenbestattungen und vieles mehr. Auch eine Seebestattung ist möglich. Auf dem Land wird das Haustier nach wie vor gerne im eigenen Garten bestattet. Die Entscheidung wo und wie Dein Tier bestattet werden soll, kannst Du selber treffen. Wichtig ist vor allem, es in seinen letzten Stunden zu begleiten.

Wenn die Möglichkeit der Sterbebegleitung zu Hause nicht gegeben ist, sondern das Tier eingeschläfert werden muss, kann der Tierarzt ebenfalls eine seelsorgerische Funktion übernehmen. Manche Menschen sind gerne dabei, wenn das Tier eingeschläfert wird, um es auch in schweren Zeiten nicht im Stich zu lassen. Andere sind emotional zu schwach, und reagieren hysterisch im Moment des Abschieds. Hast auch Du damit große Probleme und weißt, dass Du Dein Tier nur beunruhigen würdest, solltest Du während der Einschläferung lieber draußen bleiben. Vielleicht gibt es aber noch andere Wegbegleiter für Dein Tier, die es auf diesem Weg unterstützen können. Es ist, egal für welches Tier, keine einfache Situation und viele verspüren dabei Nervosität und Angst. Da ist es schön, wenn eine Bezugsperson dabei ist und mit kleinen Streicheleinheiten und beruhigenden Worten hilft, die Augen zu schließen.

Sei Dir in jedem Fall bewusst, dass jeder Begrüßung auch irgendwann ein Abschied folgt. Vor allem Hunde und Katzen wachsen uns Menschen sehr ans Herz, da sie eine verhältnismäßig lange Lebensdauer haben. So verbringst Du viele Jahre zusammen mit Deinem Tier. Es tröstet Dich bei Liebeskummer, es spielt gerne mit Dir, gemeinsam kuschelt ihr zusammen oder es verteidigt Dich vor anderen Menschen oder Tieren. Da erscheint es unvorstellbar, diesen täglichen Begleiter zu missen. Doch wenn der Moment gekommen ist, solltest Du ihm das zurückgeben, was es braucht. Die Liebe, die es Dir jahrelang gegeben hat, kannst Du zurück geben, indem Du es auf diesem schwierigen Weg begleitest, und ihm in diesen Momenten Ruhe und Zuneigung gibst. So könnt ihr die letzten Momente friedvoll zusammen verbringen.

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  • Älterer Hund mit grauem Fell: ©PaelmerPhotoArts - Pixabay.com