Mausi, die Katze meiner Oma, war eine Katze mit Prinzipien. Wenn sie jemanden mochte, zeigte sie dies unverhohlen, genauso aber tat sie dies, wenn sie jemanden nicht leiden konnte! Diese Offenheit bekam Oma´s Nachbar genau zu spüren…

Eines Tages hatte meine Oma ein benachbartes Ehepaar zum Mittagessen eingeladen. Als die Nachbarn kamen, schlief Mausi friedlich auf dem Bett meiner Großmutter, sodass keiner weiter auf die Katze achtete. Die Anwesenden plauderten und genossen ihren Begrüßungsdrink, als meine Oma die Gäste zu Tisch bat. Als jeder seine Vorspeise hatte und somit das Essen begann, marschierte Mausi leise in Richtung Badezimmer, in welchem sich die Katzentoilette befand. Ein paar Minuten später drang ein strenger Duft in den Essraum. „Puh! Das ist ja vielleicht eine herbe Duftnote!“ meinte mein Vater zu meiner Oma. „Oje, das tut mir leid! Ich erledige das gleich!“ meinte meine Großmutter verlegen zu uns allen. Rasch öffnete sie das Fenster und machte sich daran, die Ursache des Gestanks zu entfernen. Währenddessen marschierte Mausi erhobenen Hauptes an uns vorbei, zurück ins Schlafzimmer. „Na du hast aber eine ganz schön strenge Duftnote! Bist wohl ein kleines Scheißerle“ meinte Oma´s Nachbar zu Mausi. Worauf sie ihn mit einem Blick fixierte, den ich als „Na, dann warte mal ab!“-Blick interpretierte, mir aber davon nichts anmerken ließ.

Während der Hauptgang von Oma aufgetragen wurde, bemerkte ich, wie Mausi sich wieder leise in Richtung Badezimmer schlich. Kaum hatten wir die ersten Bissen getan, als wieder der eindringliche „Duft“ in den Raum kam. Meiner Großmutter war dies natürlich mehr als nur peinlich und sie entschuldigte sich bei dem benachbarten Ehepaar, während sie alles wieder in Ordnung brachte. Als schließlich alles wieder so war, wie es sein sollte, rief meine Großmutter in die Runde: „Ich verstehe, dass nicht! Das hat Mausi noch nie gemacht!“, worauf alle Anwesenden meine Oma beruhigten und meinten, dass dies nur ein Zufall sei und so etwas schon mal vorkommen könne.

Grau gemusterte Katze

Etwas später wurde Kaffee und Kuchen gereicht. Alle Anwesenden unterhielten sich prächtig und hatten die Vorkommnisse während des Essens eigentlich schon wieder vergessen; doch Oma´s Katzendame rief ihnen diese noch einmal mehr als deutlich in Erinnerung! Wieder drang Mausi´s „Spezialduft“ in den Raum und meine Großmutter reagierte prompt: Wieder Fenster auf und rasch ins Badezimmer! Doch zu ihrer Verwunderung war die Katzentoilette diesmal unberührt. Fast schon panisch, begann meine Oma den Ursprung des Geruches zu suchen. Nach ein paar Minuten betrat meine Großmutter mit rotem Gesicht das Esszimmer und sagte zu ihrem Nachbarn: „Es tut mir sehr leid, aber Mausi hat diesmal ihr Geschäft in Deinem Schuh hinterlassen! Selbstverständlich bezahle ich die Reinigung der Schuhe!“ Der Nachbar wurde bleich, als er die Nachricht hörte. Er stammelte: „Das waren meine absoluten Lieblingsschuhe! Wie kann sie bloß?“ Seine Frau allerdings sagte mit einem breiten Grinsen zu meiner Großmutter: „Das ist überhaupt nicht notwendig! Ich hasse diese Schuhe und möchte schon lange, dass mein Mann sie weggibt, doch er tat dies bis jetzt nie! Jetzt müssen sie endlich weg!!“ Danach meinte sie zu ihrem Mann: „Tja, Du hast die Katze als `Scheißerle` bezeichnet und sie hat Dir nun gezeigt, was sie von Deiner Respektlosigkeit hält! Ich hoffe, das war Dir eine Lehre!“ Nach diesen eindringlichen Worten fingen alle an zu lachen. Schließlich fing auch Oma´s Nachbar an zu lachen und meinte bei dem nachher gereichten Verdauungsstamperl: „Auf Mausi!! Sie weiß, wie man sich Respekt verdient!“ Darauf prosteten sich alle zu und es wurde noch ein netter Tag für alle Anwesenden. Seither hat allerdings niemand mehr Omas Katze anders angesprochen, als mit ihrem Namen…;-)

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  • Grau gemusterte Katze: ©bearinthenorth - Pixabay.com
  • Graue Katze in Nahaufnahme: ©asturia4 - Pixabay.com