Das internationale Tierbeobachtungsprojekt Icarus verwirklicht seine Pläne für die Tierbeobachtung aus dem All: Das Erfassen der Wanderbewegungen von Tieren soll Umweltveränderungen genauer messbar machen.

Tierbeobachtung: Deutsch-russisches Projekt Icarus

Die Abkürzung ICARUS steht für „International Cooperation for Animal Research Using Space“.

Deutsche und russische Wissenschaftler haben in enger Zusammenarbeit ein hochmodernes System zur Beobachtung kleinerer flugfähiger Tiere entwickelt. Bisher wurden Vögel zur Erforschung ihrer Flugrouten beringt. Es war enorm aufwendig, die jeweiligen Ringträger wieder aufzuspüren. Der Erkenntnisgewinn aus dieser Art der Vogelbeobachtung war wegen hoher Ausfallquoten dürftig.

Einen um so größeren Meilenstein stellt der Einsatz von Raumtechnologie zur Tierbeobachtung aus dem All dar: Seit Oktober 2017 liefern Raumfrachter die Komponenten des ICARUS-Systems auf die Internationale Raumstation ISS. Das System besteht aus einem 200 Kilo schweren Antennenblock, der die Daten von bis zu 15 Millionen Sendern empfangen kann und einem Computer. Dieser dekodiert die gesammelten Daten und leitet sie an die russische Bodenstation in Moskau weiter. Dort werden die Informationen in die vom Max-Planck-Institut entwickelte wissenschaftliche Datenbank „Movebank.org“ eingespeist.

Die Vögel werden mit Biosensoren, sogenannten „Tags“ ausgestattet. Diese sind etwa fünf Millimeter groß und befinden sich die meiste Zeit im Schlafmodus. Sie aktivieren sich erst bei einem Überflug der ISS. Die gesparte Energie verlängert die Lebensdauer der Mikrosender. Die Tierbeobachtung aus dem All verfolgt den Flug der Vögel in Echtzeit. Position, Flughöhe, Richtung und Beschleunigung werden exakt gemessen.

Die ersten Vögel, die das neue System ausprobieren dürfen, sind deutsche Amseln. Ihnen werden Tauben, Enten und Flughunde folgen. Zahlreiche internationale Projekte für die Tierbeobachtung aus dem All stehen bereits auf der Warteliste.

Amsel sitzt auf Gartenzaun

Im Max-Planck-Institut wird an der Verkleinerung der Sensoren gearbeitet, da in weiterer Folge der Einsatz der Tags an Insekten geplant ist. Auch das Beobachtungsnetz soll durch den Einsatz weiterer Satelliten vergrößert werden.

Daten zu den Wanderbewegungen von Tieren

Die Zahl der Zugvögel nimmt weltweit dramatisch ab. Bis dato konnten die Vogelschwärme nur an ihrem jeweiligen Aufenthaltsort beobachtet werden. Auf ihrer Reise vom einem zum anderen Ort verschwanden viele Tiere spurlos. Die Tierbeobachtung aus dem All ermöglicht eine lückenlose Überwachung der Flugbewegungen. In Zukunft können Wissenschaftler durch exakte Ursachenforschung gefährdete Arten vor dem Aussterben bewahren.

Zugvögel am Himmel

Dasselbe gilt für das international fortschreitende Fischsterben: Die Verschmutzung der Meere und gleichzeitige Überfischung setzt den Schwärmen zu. Hier ist der Einsatz der Tierbeobachtung aus dem All ebenfalls geplant.

Schon unsere Vorfahren wussten um die Aussagekraft tierischen Verhaltens. Tiere reagieren viel früher und sensibler auf für die menschlichen Sinne nicht wahrnehmbare Vorzeichen von Erdbeben oder Vulkanausbrüchen. Die Biosensoren machen diese Reaktionen messbar. Gleichen die Forscher nun die gemessenen tierischen Reaktionen mit seismografischen Messungen ab, können sie wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Womöglich können aus dem Weltraum beobachtete Tiere aufgrund ihres eingebauten Frühwarnsystems zukünftig Tausende Menschenleben retten!

Bildquelle:

  • Amsel sitzt auf Gartenzaun: @KatinkavomWolfenmond- Pixabay.com
  • Zugvögel am Himmel: @Gellinger - Pixabay.com
  • Raumstation ISS – Tierbeobachtung aus dem All: @Free-Photos - Pixabay.com