Erste Hilfe am Unfallort

In den allermeisten Fällen wird ein Wildtier durch ein Auto verletzt. Doch nicht immer werden die hilflosen Tiere angefahren. Zu aller erst musst Du herausfinden, was genau passiert ist. Kannst Du zum Beispiel offene Wunden sehen oder getrocknetes Blut, so handelt es sich entweder um den Zusammenprall mit einem Fahrzeug oder aber, das Tier war in einen Kampf verwickelt. Manchmal werden gerade junge Tiere auch von natürlichen Fressfeinden im Nest überrascht und befinden sich daher auf der Flucht. Aufgrund der Unerfahrenheit der Tierchen geraten diese nicht selten in Straßengräben oder verletzen sich anderweitig teils lebensgefährlich. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Du als erstes herausfindest, was dem Tier fehlt. Achte auch auf verdrehte Gliedmaßen und auf die allgemeine Reaktion des Tieres. Wenn das Geschöpf apathisch wirkt oder gar nicht auf Dich reagiert, dann kannst Du nähertreten.

Im zweiten Schritt solltest Du dafür sorgen, dass sich das Wildtier nicht noch mehr aufregt, als ohnehin bereits geschehen. Der Kontakt mit dem Menschen bedeutet für in der Freiheit lebende Tiere jede Menge Stress. Versuche daher, die Augen des Tieres abzudecken. Wenn Du ein altes Handtuch oder Kleidungsstück zur Hand hast, dann benutze dieses. Ansonsten kann auch die eigene Jacke dabei helfen, dem Tier das Gesicht oder zumindest die Augenpartie abzudecken. Auf diese Weise kannst Du das Tier auch in Ruhe näher untersuchen. Wenn Du Dich mit dem Tier immer noch in der Nähe der Straße aufhältst, solltest Du das Wildtier zudem von der gefährlichen Fahrbahn abschirmen. Es gilt, unbedingt zu vermeiden, dass es in Panik erneut auf die Straße gerät und womöglich von einem Auto erfasst wird. Ein Warndreieck oder eine Warnweste sind hier das Mittel der Wahl.

Wenn die Unfallstelle gesichert ist und das Tier sich einigermaßen beruhigt hat, solltest Du dringend die Polizei anrufen. Verlasse die Unfallstelle auf keinen Fall, bevor die Polizei bei Dir eintrifft. Andernfalls könnte es passieren, dass das verletzte Tier diesen Ort verlässt und nicht mehr von den Beamten wiedergefunden werden kann. In diesem Fall wäre Deine ganze Arbeit umsonst gewesen – verletzte Tier verenden in der Regel ohne die Hilfe von Menschen. Falls nach maximal einer halben Stunde niemand an der Unfallstelle eintrifft, solltest Du Dich mit einem Tierarzt in Verbindung setzen oder erneut bei der Polizei anrufen, um Druck zu machen.

Auf was man besonders achten muss!

Sofern es sich bei dem gefundenen Wildtier um ein Reh oder einen Fuchs handelt, solltest Du unbedingt Abstand halten. Füchse können beißen und Rehe reagieren in der Regel vollkommen panisch auf eine Berührung mit dem Menschen. Zudem kann es sein, dass ein betroffenes Tier Tollwut oder eine andere auf Dich übertragbare Krankheit hat. Außerdem können gerade erwachsene Tiere womöglich um sich treten und extrem wehrhaft auf den Kontakt mit Dir reagieren. Gehe deshalb so vor, wie oben empfohlen, indem Du dem Wildtier ein Stück Stoff über die Augen legst. Sollte es sich um ein sehr agiles Exemplar handeln, versuche das Tuch oder Kleidungsstück aus sicherer Entfernung über den Kopf zu werfen oder verwende ein entsprechendes Hilfsmittel, wie zum Beispiel einen langen Ast oder ähnliches.

Du solltest außerdem über die rechtlichen Gegebenheiten informiert sein, bevor Du Dich einem Wildtier widmest. Bedenke allerdings, dass Du als Fahrzeugführer dazu verpflichtet bist, einem angefahrenen oder anderweitig verletzten Tier zu helfen. Das gilt sowohl in ethischer als auch in rechtlicher Hinsicht. Das ist zwar vor allem dann der Fall, wenn Du selbst den Unfall verursacht hast, sollte aber auch passieren, wenn Du als unbeteiligter Dritter hinzustößt. Nicht jeder weiß, wie er in dieser Situation handeln muss. Daher kannst Du auch als willkommener Helfer agieren, wenn Du jemanden triffst, der nicht weiß, was er bei einem Unfall mit einem wilden Tier tun soll. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, solltest Du allerdings stets darauf achten, niemanden in Gefahr zu bringen. Das gilt sowohl für Dich selbst, für das Tier und für Dritte. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, die Polizei möglichst zeitnah zu rufen. Sobald die Beamten eintreffen, bist Du nicht mehr der Hauptverantwortliche in Sachen Wildunfall. In der Regel wissen die Polizisten, was zu tun ist, sodass Du Dir keine Sorgen mehr zu machen brauchst.

Wenn Du Dich noch besser absichern möchtest, dann solltet Du Deinen Fund zudem der amtlichen Jagdbehörde melden. Diese Meldung kannst Du entweder anonym oder aber unter Angabe Deiner Kontaktdaten machen. Das bedeutet, dass Du auch solche Unfälle getrost melden kannst, an welchen Du nicht selbst beteiligt warst. Vor allem bei den Tierarten Hase, Reh und Fuchs besteht ein sogenanntes Jagdrecht und Du hilfst durch Deine Meldung dabei, diese zu wahren. Illegales Jagen oder Wildern wird so aktiv gestoppt.

Weitere Schritte

Generell ist es gesetzlich verboten, geschützt Arten aus Ihrem Lebensraum zu entfernen. Daher solltest Du es Dir im Vorfeld genau überlegen, bevor Du Vögel, Eichhörnchen oder einen Igel aus dem Wald entfernst. Ist das betroffene Wildtier allerdings eindeutig verletzt, so bleibt Dir nichts anderes übrig, wenn Du dem Tier helfen möchtest. Falls es sich im Fall eines kleinen Tieres nicht um einen Unfall mit dem PKW oder LKW handelt, dann nimm es mit und bringe es auf schnellstem Wege entweder zu einem Tierarzt oder aber zu einer Tierpflegestation. Laut geltendem Naturschutzgesetz ist es verboten, das gefunden Tiere vorübergehend oder langfristig auf eigene Faust zu pflegen. Wenn Du nicht genau weißt, wer in Deiner direkten Nähe für solche Fälle zuständig ist, dann melde Dich beim örtlichen Tierheim. Diese Menschen können Dir sagen, was zu tun ist. In der Regel verfügen Sie über Kontakte zu Auffangstationen für Wildtiere.

Handelt es sich bei dem gefundenen Tier um eine der streng geschützten Arten, so bist Du zu einer offiziellen Meldung verpflichtet. Es genügt völlig, sich per Telefon bei der amtlichen Tierschutzbehörde zu melden. Sage den Personen am Telefon, welches Tier Du gefunden hast und wie es diesem jetzt geht. Informiere die Zuständigen außerdem darüber, wo Du das Wild hingebracht hast. Zu diesem Zweck ist es nützlich, wenn Du Dir den Namen der betreffenden Personen notierst, um diese Daten möglichst exakt weiterzugeben. Auf diese Weise kann verhindert werden, dass jemand unrechtmäßig in den Besitz eines wilden Tieres kommt und aus dem Verkauf womöglich Profit schlägt oder es unter schlechten Bedingungen gehalten wird.

Wenn es sich bei dem gefundenen Tier um ein junges Tier handelt, solltest Du es beobachten. Es besteht die Möglichkeit, dass das betroffene Junge von seiner Mutter gesucht wird. Wenn das Elterntier den Nachwuchs wohlbehalten und vor allem unberührt auffindet, besteht die Chance, dass die Mutter das Junge mitnimmt. Der beste Platz zum Genesen ist für ein Neugeborenes stets der natürliche Lebensraum bzw. das eigene Nest. Deshalb ist es wichtig, dass ein junges Tier nicht vorschnell vom Fundort entfernt wird. Riecht das Junge erst einmal nach Mensch, besteht die Gefahr, dass die Mutter es nicht mehr am Geruch erkennt. In der Folge lässt sie es verwaisen und die Hilfe des Menschen wird notwendig. Wenn sich dieser Effekt vermeiden lässt, ist dem Tier in der Regel besser geholfen als bei einem übereifrigen Handeln.

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