Freigänger oder Wohnungskatze

Katzen unterscheiden sich in ihrer Anbindung an Menschen erheblich von anderen Haustieren. So sehr sie die Gesellschaft Ihrer Besitzer genießen, haben sie sich doch eine gewisse Unabhängigkeit bewahrt, was ja schließlich für viele Menschen einen Teil ihrer Anziehungskraft ausmacht. Daher erfreuen sich die Exemplare aller Katzenrassen in hohem Maße an regelmäßigem Freigang. Der Stubentiger bekommt dadurch genug Bewegung, kann ihrem Jagdtrieb ausführlich nachgehen und soziale Kontakte zu Artgenossen unterhalten.
Auf der anderen Seite, ist der Aufenthalt im Freien mit vielen Gefahren verbunden, die selbst der aufmerksamste Halter nicht vollumfänglich eliminieren kann. Hier lauern natürliche Feinde von Katzen wie etwa wild lebende Tiere. So gestaltet sich der Kontakt mit motorisierten Fahrzeugen, großen Hunden, aggressiven Artgenossen, zahlreichen Beutetieren und nicht zuletzt Giftködern zwar abwechslungsreich und interessant, allerdings auch sehr stressig, weshalb Freigänger im Schnitt zwei Jahre früher als reine Wohnungskatzen versterben.
Solltest Du Dich daher entscheiden, Deinen Mini-Tiger ausschließlich in der Wohnung zu halten, wirst Du Dich vermehrt mit ihm beschäftigen müssen, um zu verhindern, dass er vor Langeweile in Agonie verfällt. Zu diesem Zweck solltest Du, besonders bei jüngeren Katzen, täglich mindestens drei Stunden veranschlagen. Weil derartige Zeitvorgaben in Singlehaushalten allerdings nur schwer einzuhalten sind, bietet sich eine Alternative an: Du besorgst Dir noch ein zweites Exemplar, im Idealfall ein Jungtier, da solche Neuzugänge auch von egozentrischen Katzen zumeist freudig aufgenommen werden. So können sich die Tiere miteinander beschäftigen und sind auch nicht mehr so stark auf ihren Besitzer konditioniert, wenn der nach einem harten Arbeitstag eigentlich lieber entspannen möchte.

Die unterschiedlichen Katzenwesen und Eigenschaften

So vielfältig wie die Charaktereigenschaften ihrer Besitzer, gestalten sich auch die Eigenschaften der verschiedenen Katzenrassen. Um nicht die Katze im Sack zu kaufen, solltest Du Dir daher im Vorfeld darüber im Klaren sein, welche Rasse am Besten zu Dir passt. So haben sich besonders Perser, Angorakatzen, Ragdoll und Maine-Coon als sehr familientaugliche Haustiere erwiesen, da sie sich auch kleinen Kindern gegenüber geduldig und aufgeschlossen zeigen. Zudem benötigen sie viele Streicheleinheiten und binden sich stark an ihre Eigentümer, weshalb sie sich wohler fühlen, wenn sie auf mehrere Bezugspersonen zurückgreifen können. Siamkatzen sind dagegen völlig anders gestrickt: Sie gelten als eigenwillige, manche sagen auch verrückte, Exemplare ihrer Gattung und sind daher für Einsteiger weniger zu empfehlen. Denn schließlich neigen sie dazu, ihren Willen, zuweilen mit einigem Nachdruck, auch innerhalb einer größeren Gruppe durchzusetzen, weshalb Du im Zusammenleben mit dieser Rasse vermehrt mit Kratzern und Bissen rechnen solltest. Ähnliche Eigenschaften sind der Rasse Devon Rex zuzuschreiben, die als sehr intelligent und daher sehr neugierig gilt. Diese Katzen sind äußerst aktiv und neigen dazu, ständig ihre Grenzen auszutesten. Demzufolge sind sie als Wohnungskatze eher ungeeignet, es sei denn, es stört Dich nicht, mit einem Vandalen zusammenzuwohnen.

Kater oder Katze

Weibliche und männliche Hauskatzen unterscheiden sich dahingehend voneinander, dass junge Kater oft verspielter und wilder, dafür aber als ausgewachsenes Tier entspannter und anhänglicher als Katzen sind. Außerdem sind Katzen tendenziell geselliger bzw. sozialer im Zusammenwohnen mit Artgenossen und auch mit Hunden. Zudem zeigen sich Differenzen hinsichtlich der Größe ihrer Territorien: Während sich Katzen selten weiter als 500 Meter vom Haus entfernen, legen Kater deutlich größere Wegstrecken zurück und sind mitunter tagelang unterwegs.

Maine-Coon: Kein Einzelgänger

Diese Tiere zählen zu den eher sozialen Katzenrassen und zeichnen sich durch ihr umgängliches Wesen aus. So eignen Sie sich hervorragend für Familien mit kleinen Kindern und weiteren Haustieren. Die Maine-Coon wurde ursprünglich als Arbeitskatze gezüchtet und verfügt daher bis heute über einen sehr intensives Jagdbedürfnis. Zudem treten bei dieser Rasse Merkmale auf, die eigentlich eher Hunden zugeschrieben werden. So neigen die Katzen tatsächlich dazu, Gegenstände zu apportieren. Außerdem ist ihre Abscheu Wasser gegenüber deutlich herabgesetzt, sodass Du ihnen auch bei Regen bedenkenlos Ausgang gewähren kannst. Es soll sogar Halter geben, die ihre Katze im Sommer im Planschbecken spielen lassen. Das herausragendste Merkmal der Maine-Coon ist aber zweifellos ihre Geselligkeit, weshalb sie als Wohnungskatzen in einem Singlehaushalt sehr unglücklich sein dürften. In diesem Falle solltest Du also darüber nachdenken, ob Du weitere Katzen halten oder deinem Stubentiger nicht doch lieber Freigang gewähren möchtest.

Ragdoll: Familienfreundlicher Stubentiger

Die Charaktereigenschaften der Ragdoll decken sich weitgehend mir denen der Maine-Coons. Es handelt sich um eine äußerst entspannte Katzenrasse, die sich mit Hunden, anderen Katzen und Menschen jeden Alters ausgezeichnet versteht. Die recht großen Katzen sind sehr anhänglich und sollten daher nicht den ganzen Tag über allein gelassen werden, weil dies zu depressiven Verstimmungen führen könnte. So fühlen sie sich erheblich wohler, wenn sie einer intensiven Beschäftigung nachgehen können und in alle alltäglichen Aktivitäten im Haushalt miteinbezogen werden. Dies schränkt sogar ihren Freiheitsdrang bis zu einem gewissen Grad ein, sodass sie sich für die Haltung als reine Wohnungskatze eigenen, obwohl sie sich über etwas Auslauf im Garten sicher nicht beschweren werden. Das ist grundsätzlich kein Charakterzug der Ragdolls, die eher als verspielt und verschmust gelten. Darüber hinaus gewöhnen sie sich schnell an neue Mitbewohner und werden selbst dann selten wirklich aggressiv, wenn sie gezielt angegriffen werden. Schließlich bringen sie eine beachtliche Größe mit und können Konkurrenten schon dadurch wirksam einschüchtern.

Russisch-Blau: Ruhiger Gefährte

Wenn Du Dir überlegst, ein Exemplar dieser Rasse zu erwerben, solltest Du zu Beginn keine überbordende Zustimmung erwarten. Die Katzen gelten als sehr vorsichtig und scheu, weshalb sie Fremden grundsätzlich skeptisch begegnen. Wenn sie allerdings erst einmal festgestellt haben, dass sie nicht bei Charles Manson wohnen, zeigen sie ihr Bedürfnis zu kuscheln und zu spielen überdeutlich. Abgesehen davon, sind russisch-blaue Katzen ziemlich friedliebend und wählen in Konfliktsituationen eher den Rückzug als den Angriff. Daher sind sie für den Freigang in einer Umgebung mit vielen Katzen nur bedingt geeignet. Ein liebevoll eingerichtetes Zuhause mit reichlich Spielgeräten genügt diesen Exemplaren zumeist, da sie sich selbst dann nicht langweilen, wenn sie über große Strecken des Tages allein gelassen werden.

Birma: Liebevoller Schmusetiger

Mit einer Birma wirst Du Dir eine Katze ins Haus holen, die in ihrer Anhänglichkeit zunächst Assoziationen mit einem Hund hervorrufen wird. Birmas zählen zu den Katzenrassen, die sehr sanftmütig daherkommen und nur im äußersten Notfall von ihren Krallen und Zähnen Gebrauch machen. Daher eignen sie sich eher dafür, ausschließlich in der Wohnung gehalten zu werden, da sie zudem sehr gut mit kleinen Kindern harmonieren. Eine weitere Eigenschaft der Birmas ist eher ungewöhnlich für Katzen: Fremde Personen begrüßen sie ohne zu Zögern und lassen sich in diesen Situationen auch ungehindert streicheln. Wenn Du Dich für eine Birma entscheidest musst Du allerdings berücksichtigen, dass es sich um eine sehr soziale Rasse handelt, die selbst bei einer liebevollen Familie nur dann wirklich glücklich wird, wenn sie einen Artgenossen zum Spielen und Schmusen hat.

Europäische Kurzhaar-Katze: Unkompliziert und beliebt

Die in Deutschland häufig vertretende Europäische Kurzhaar-Katze (oder kurz EKH) wurde lange Zeit dem Heer der Mischlinge zugeordnet und zählt erst seit 1982 zu den eigenständigen Katzenrassen. Sie fühlt sich außerordentlich der Natur hingezogen und ist daher als reine Wohnungskatze vollkommen ungeeignet. Die EKH ist zwar eher kleingewachsen dafür aber recht muskulös, was ihr ein bulliges Äußeres verleiht. Dank ihrer Statur ist sie aber ein ausgezeichneter Jäger und kann sich in Konfliktsituationen mit Artgenossen (und zuweilen auch mit ihrem Besitzer) sehr gut behaupten. Dementsprechend wäre es verfehlt, hier von einer verschmusten Rasse zu sprechen, obwohl deren Vertreter durchaus anhänglich werden können und in der Regel auch mit Artgenossen und Kindern friedlich zusammenleben können. Mit Hunden hingegen steht die EKH auf Kriegsfuß.

Bengal: Miau-Königin

Bengalkatzen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis besitzen. So miauen sie nicht nur um ihr Missfallen auszudrücken sondern in quasi jeder Lebenslage: Wenn ihnen Das Essen gut geschmeckt hat, wenn es ihnen nicht geschmeckt hat, wenn sie jemand bekannten erblicken, aus Langeweile und sogar beim Streicheln. Darüber hinaus sind Bengalkatzen so verspielt, dass ihr Spieltrieb oft lebenslang anhält. Diese Eigenschaften sind nicht zuletzt auf die überdurchschnittliche Intelligenz der Tiere zurückzuführen, wodurch sie auch sehr neugierig und lernfähig daherkommen. Ihr Sozialverhalten gegenüber Menschen und Tieren überschneidet sich in vielen Aspekten mit dem der EKH. Demnach erfreut sie sich an jedem einzelnen Freigang und harmoniert gut mit kleinen Kindern. Der nächste Fakt wird Dich sehr erfreuen, wenn eines Deiner Familienmitglieder auf Katzen allergisch reagiert: Bei etwa 95% der Katzenallergiker treten in Gegenwart einer Bengalkatze keine Probleme auf.

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