Vor fünf Jahren begannen die ersten öffentlichen Sondierungsgespräche zu der Frage, wie man das Zusammenleben von Menschen und Hunden in Städten möglichst konfliktfrei organisieren kann. Zeitgleich wurde im Abgeordnetenhaus um das neue Hundegesetz gekämpft.

Sollen Hunde generell an die Leine? Das war der heikelste Streitpunkt! Spätestens ab Januar 2018 soll die allgemeine Leinenpflicht für Hunde gelten – in Berlin!

Hundeführerschein ist die Lizenz zum Freilauf

Laut Gesetz gibt es aber die Möglichkeiten seinem Vierbeiner die Leine zu ersparen. Dafür muss der Besitzer mit seinem Hund in der Hundeschule trainieren und eine Prüfung bestehen. Dort wird alles getestet – Sitz, Platz, bei Fuß, nur auf Kommando die Straße überqueren. Bei erfolgreicher Absolvierung bekommt man den Hundeführerschein – die Sachkundebescheinigung. Mit dieser Bescheinigung darf Hund auch weiterhin ohne Leine laufen.

Jedoch gibt es mehrere neue Bestimmungen – diese treten allerdings erst zum 01. Januar 2018 in Kraft. Dann startet beispielsweise das Hunderegister sowie eine künftige Genehmigungspflicht für Hunde-Ausführservice.

Der Leinenzwang ist allerdings die entscheidende neue Vorschrift im neuen Hundegesetz, welches 34 Paragrafen umfasst. Bisher müssen Hunde nur Grünanlagen, belebten Plätzen und Einkaufsstraßen angeleint werden – nun wird dies überall gelten (außer in Auslaufgebieten). Dieser Beschluss wurde vom „Bello-Dialog“ gefällt, bei dem Bürger und Experten Vorschläge machen konnten.

Der ehemalige Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) sieht das Problem eher am oberen Ende der Leine, aus diesem Grund machte er sich für den Hundeführerschein stark. Durch das neue Leinengesetz sollen mehr Halter dazu bewegt werden diese zu umgehen und mit ihrem Hund in der Hundeschule zu trainieren.

Aber wie will der Senat die Leinenpflicht nun durchsetzen? Man wird sich im Grundsatz an Hamburg und Niedersachsen orientieren. Dort gibt es den Leinenzwang bereits seit 2007 bzw. 2013.

Die Berliner Lösung wird in etwa so aussehen: Hunde aller Größen müssen an die Leine. Einzige Ausnahme: Wer seit drei Jahren einen Hund hält, ohne amtlich bekannt gewordene Zwischenfälle, der bekommt die Sachkundebescheinigung auch ohne eine Prüfung abgelegt zu haben. Die Bescheinigung muss dann im jeweiligen Bezirk beantragt werden.

Hundetrainer müssen offiziell anerkannt sein

Wer mehr Hundeverstand und den Sachkundenachweis erwerben möchte, kann dies in einer anerkannten Hundeschule tun. Zusätzlich kann auch der Gehorsamkeitstest absolviert werden. Qualitätskontrollen an Hundeschulen sollen verhindern, dass selbsternannte Hundetrainer Schund treiben.

In Berlin Steglitz-Zehlendorf haben sich bereits 40 Hundelehrer einer Qualitätskontrolle unterzogen.

Kritiker bemängeln allerdings, dass Hundeschule inklusive Prüfung bis zu 400 Euro kosten. Und auch einige Frage stehen noch offen im Raum, wie z.B. „Wer darf den Hund von der Leine lassen, wenn nur ein Familienmitglied den Sachkundenachweis hat? Alle oder nur der Inhaber des Nachweises?“

In Hannover z.B. reicht ein Nachweis pro Familie – in Hamburg gilt der Nachweis nur für den Halter selbst.

HUNDEGESETZE

Seit 2010:

Chippflicht, und Haftpflichtversicherung: Seit sieben Jahren müssen Hunde einen Mikrochip unter der Haut tragen, damit entlaufene Tiere leicht identifiziert und ihren Haltern zurückgebracht werden können. Jeder Hund muss zudem haftpflichtversichert sein, damit von Hunden verursachte Schäden sicher beglichen werden.

Seit 2016:

Welpenverkauf: Der Verkauf junger Hunde auf Flohmärkten ist verboten. Diese dürfen nur noch von sachkundigen Züchtern oder Haltern erworben werden. Grund: In der Vergangenheit wurden auf Berliner Märkten häufig über die Grenzen geschmuggelte, schlecht behandelte, kranke Jungtiere aus Osteuropa angeboten.

Kotbeutelpflicht: Wer seinen Hund ausführt, muss einen Kotbeutel oder „andere geeignete Utensilien“ bei sich tragen. Das bestehende Gebot, Hundekot zu beseitigen, soll dadurch besser durchsetzbar sein. Bisher gab es aber in den Bezirken so gut wie keinerlei Anzeigen wegen fehlender Beseitigungsutensilien. Trotz der seltenen Kontrollen zeigt der öffentliche Druck auf Hundehalter aber Wirkung: Es gibt in den meisten Bezirken inzwischen weniger Tretminen.

Mitnahmeverbot: Bezirke können für Naherholungsgebiete ein „Hundemitnahmeverbot“ erlassen. Dies muss allerdings überzeugend begründet sein – wie der Streit am Schlachtensee zeigt.

Rasseliste und Wesenstest: Gefährliche Hunde stehen zwar weiterhin auf einer Rasseliste, um Zucht und Handel mit sogenannten Kampfhunden zu unterbinden. Statt bisher zehn Rassen, werden aber nur noch drei aufgeführt, die öfter vorkommen: Pitbull,- American Staffordshire- und Bullterrier sowie deren Kreuzungen. Für diese gilt Leinen- und Maulkorbpflicht. Es sei denn, sie werden bei einem Wesenstest als ungefährlich eingestuft.

Ab 2018:

Zentralregister: Nicht nur die generelle Leinenpflicht und der „Führerschein“ kommen auf Hundehalter zu, sie sollen auch mit ihren Tieren in einem Zentralregister erfasst werden. Dies soll der Identifizierung nach Bissvorfällen dienen und die Suche nach entlaufenen Tieren erleichtern.

Dogwalker-Auflagen: Sogenannte Dogwalker, die als Ausführservice mehr als vier Hunde betreuen, müssen ihr Gewerbe genehmigen lassen und eine Sachkundeprüfung bestehen. Außerdem kann die Zahl der ausgeführten Hunde begrenzt werden.

 

© Der Tagesspiegel

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