Wer kennt den Satz „Mein Hund hat meine Hausaufgaben gefressen…“ nicht! Wahrscheinlich so ziemlich jeder! Doch auch Katzen können Deine Hausaufgaben zerstören! Ihr glaubt das nicht? Na dann lasst Euch mal folgende Begebenheit erzählen…

Meine Englischlehrerin in der Pflichtschule war sehr pingelig. Für sie war eine ordentliche Heftführung das A und O. Also bemühte ich mich ihren Anforderungen nachzukommen. Das Semester neigte sich seinem Ende zu und es war alles gut verlaufen. Nur noch eine Englischhausübung war zu erledigen, dann würde einer guten Note nichts mehr im Weg stehen… Doch es kam etwas anders als gedacht, denn die Lehrerin war überhaupt nicht zufrieden und meinte ich solle die Hausaufgaben nochmals machen und mir mehr Mühe geben… Zähne knirschend machte ich das Ganze nochmal! Als ich schließlich mit der Hausübung fertig war, legte ich das Heft beiseite um zu Abend zu essen. Danach fing ich an, die Schultasche für den nächsten Tag vorzubereiten. Als ich allerdings das Englischheft in die Hand nahm, bekam ich einen großen Schreck: Es war vollkommen durchnässt und roch merkwürdig… „Schnurli“ dachte ich entsetzt. Schnurstracks ging ich zu meiner Mutter und erzählte ihr den Vorfall. Sie meinte ganz pragmatisch dazu: „Sag´der Lehrerin einfach die Wahrheit, dass wird dann sicher kein Problem sein! Morgen kaufe ich Dir ein neues Heft und Du schreibst die Hausaufgaben einfach nochmal.“ Ich nickte, obwohl ich den Optimismus meiner Mutter nicht wirklich teilte, denn die Englischlehrerin hatte schon andere Kinder wegen weit weniger schlimmer Dinge eine ganze Note schlechter beurteilt…

Als ich am Nachmittag des nächsten Tages nach Hause kam und meine Mutter mein Gesicht sah, ahnte sie bereits was geschehen war, dennoch sprach sie mir Mut zu. Sie würde das mit der Lehrerin schon klären… „Da ist noch was! Sie hat eine Eintragung ins Mitteilungsheft gemacht!“ erklärte ich meiner Mutter schluchzend. Ich reichte ihr das Heft. In diesem Moment kam mein Vater zur Tür herein und fragte: „Was ist denn hier los? Wieso weinst Du?“ und zu meiner Mutter gewandt „Warum bist Du so verärgert?“ Der Ärger hatte meiner Mutter die Sprache verschlagen, also reichte sie ihm wortlos das Mitteilungsheft. Während mein Vater die Mitteilung der Lehrerin las, wechselte sein Gesichtsausdruck zwischen Verwunderung und Ärger hin und her. Als er fertig gelesen hatte, forderte er das Englischheft, auf welchem Schnurli seine Markierung gesetzt hatte. Ich reichte ihm das in Plastik eingewickelte Heft. Grimmig sah er mich und seine Frau an. „Ich werde morgen in die Schule gehen – mit diesem Heft – und mit der Englischlehrerin ein Wörtchen reden! Es kann nicht angehen, dass sie Dich als Lügnerin bezeichnet, obwohl Du die Wahrheit gesagt hast..!“ Nach diesem Gespräch erledigte ich sogleich meine Hausaufgaben, obwohl ich noch zwei Tage bis zur nächsten Englischstunde Zeit hatte.

Der nächste Tag verging für mich quälend langsam, da ich mich nervös fragte was wohl bei dem Gespräch meines Vaters mit der Lehrerin herausgekommen war. Als endlich Schulschluss war, flog ich förmlich nach Hause. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam ich zu Hause an, doch meine Eltern waren noch nicht daheim. „Wo bleiben die den nur? Sonst ist ja auch immer irgendeiner vor mir zu Hause!“ dachte ich genervt. Während ich gedankenverloren meine Schultasche abstellte, fiel mein Blick auf meinen Schreibtisch. Ich hatte das Englischheft gestern am Tisch liegen lassen und irgendwie lag es nicht mehr so wie ich es hingelegt hatte… Angst kam in mir auf, als ich langsam näher ging. Was ich dann sah, konnte ich nicht glauben! Schnurli hatte auch das neue Heft markiert!! „Was soll ich jetzt machen?“ dachte ich panisch. In diesem Moment kamen meine Eltern zur Tür herein. Ich hielt ihnen nur wortlos das nasse Heft vor die Nase. „Wirf es einfach weg!“ sagte mein kopfschüttelnd Vater. „Was hat die Lehrerin gesagt?“ fragte ich ihn ängstlich.

„Nun ja. Nach einer kurzen Diskussion hielt ich ihr das Heft unter die Nase und fragte sie ob sie glaubt, dass alles nur erfunden sei. Sie wurde ganz bleich – ich glaube ihr wurde etwas übel – als sie danach mit den Schultern zuckte und meinte, sie könne ja nicht immer alles glauben was ihr die Kinder in punkto Hausübungen erzählen würden. Doch in diesem Fall läge die Sache ganz anders… Wir haben uns schließlich darauf geeinigt, dass Du die Hausaufgaben nochmals machst. Wenn nicht, bekämst Du anstatt eines „Gut“ ein „Befriedigend“ im Zeugnis. Nun, da ich sehe und rieche das Schnurli auch das neue Heft markiert hat, glaube ich, dass Du und wir ein „Befriedigend“ im Zeugnis einfach akzeptieren sollten…! Die Englischlehrerin geht nach diesem Semester in Pension und dann bekommst Du eine neue Lehrerin. Ich will mal hoffen, eine die Schnurli auch leiden kann…“ Daraufhin lachten wir alle los und machten danach einen ruhigen Abend.

Tja, was soll ich Euch sagen? Die Hausaufgaben gab ich nicht ab und bekam ein „Befriedigend“ ins Zeugnis. Nach den Sommerferien bekam ich eine neue Englischlehrerin und Schnurli hat niemals wieder ein Heft oder sonst irgendetwas markiert 😀

 

Bildquelle:

  • cat-736561_960_720: © Pixabay
  • Hausaufgaben (coffee-2351440_960_720): © Pixabay
  • Katze mit Hausaufgaben (cat-1649955_960_720): © Pixabay
  • cat-468232_960_720: © Pixabay
  • cat-205554_960_720: © Pixabay
  • cat-1912251_960_720: © Pixabay