Kurzinfo

Die Wildkatze verfügt über ein mittellanges Fell und ist ein vergleichsweise großes Tier. Ihr Körperbau ist sehr kraftvoll und massig, was sie von der Hauskatze unterscheidet. Dennoch erinnert sie optisch sehr an getigerte Hauskatzen, sodass beide Arten häufig verwechselt werden. Das liegt insbesondere an ihrer Körperform und and ihrer Fellzeichnung. Diese wirkt eher verwaschen und verfügt nur geringfügig über Kontraste.

Mit einem Gewicht zwischen 2,3 und 4,9 Kilogramm sind weibliche Wildkatzen deutlich schwerer als andere Katzenarten. Hinzu kommt eine Gesamtlänge von 73 bis 94 Zentimetern. Männliche Wildkatzen steigern diese Werte noch einmal und können ein Gewicht zwischen 3,0 und 6,5 Kilogramm bei einer Länge zwischen 83 und 97 Zentimetern auf die Waage bringen. Trotz ihres Gewichts wirken Wildkatzen keineswegs dick oder gar übergewichtig.

Ihre grau-cremegelbes getigertes Fell macht die Katze in freier Wildbahn quasi unsichtbar. Auffällig ist allerdings der durchgehende schwarze Strich auf dem Rücken des Tiers, der für die Wildkatze typisch ist. Aufgrund des dichten und dicken Fells wirkt auch der Schwanz sehr dick – ist aber zugleich relativ kurz und endet stumpf. Er hebt sich zudem farblich vom restlichen Fell ab, da er in der Regel über die charakteristische Dreier-Ringelung verfügt. Bei den meisten Wildkatzen lässt sich ein heller Kehlfleck und an der Sohle ein kleiner, schwarzer Fleck entdecken, wohingegen die Innenseite der Schenkel mit einem leicht rötlichen Fell hervor sticht. Die langen weißen Schnurrhaare und der stets fleischfarbene Nasenspiegel sind ebenfalls Erkennungszeichen der Wildkatzen.
Unter optimalen Lebensbedingungen können diese Tiere zwischen zwölf und 15 Jahre alt werden. In Gefangenschaft kann die Lebenserwartung aber auch deutlich darüber liegen.

Charakter der Wildkatze

Der Charakter der wilden Katze unterscheidet sich stark von der unserer Hauskatze. Diese ist nämlich ein Ansitzjäger. Das heißt, dass die Hauskatze unter Umständen für Stunden vor einem Mäuseloch ausharrt und dann, wenn sie die Chance bekommt, blitzschnell zuschlägt. Wildkatzen hingegen gelten als Pirschjäger. Sie schleichen sich unbemerkt an ihre Beute heran und fassen diese durch einen Überraschungsangriff, indem sie auf das Beutetier zu springen. Diesem Jagdverhalten gehen die Wildkatzen in der Regel als Einzelgänger nach. Nur in der Paarungszeit pflegt sie kurzfristige Kontakte mit anderen Artgenossen. Dieses einzelgängerische Verhalten zeigen die Tiere auch gegenüber dem Menschen. So gelten sie weltweit als einzige Katzenart, die sich nicht zähmen lässt. Selbst wenn sie in der Obhut von Menschen geboren und aufgewachsen ist, wird sie diese so gut es geht meiden. Meist kommt es nur dann zu Näherungen, wenn die Wildkatzen sich durch den menschlichen Kontakt Futter erhoffen – und selbst dann werden sie noch einigen Sicherheitsabstand halten. So ist es kaum verwunderlich, dass es nur selten gelingt, eine Wildkatze anzufassen oder gar zu streicheln.

Pflege und Ernährung

Die Haltung von Wildkatzen als Haustiere eignet sich nicht wirklich. Wie ihr Name schon sagt, sind sie absolute Wildtiere. Das zeigt sich auch dann, wenn die Katze in Gefangenschaft durch den Menschen aufgezogen wurde. Sollte es aus irgendeinem Grund dennoch nötig sein, eine solch wilde Katze im Gehege zu halten, so sollte dieses unbedingt sehr groß sein und viele Rückzugsmöglichkeiten für das Tier bereithalten. Hier kann es sich verstecken und fühlt sich sicher. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die einzelnen Verstecke nicht etwa vom Menschen gereinigt oder umgebaut werden. Das kann dazu führen, dass die Katze nie wieder in das betreffende Versteck zurückkehrt. Da die Tiere in der Regel auch jede Begegnung mit dem Menschen vermeiden, lassen sie sich kaum erziehen und scheinen oft sogar völlig resistent gegen Erziehung zu sein.

In der freien Wildbahn ernähren sich die wilden Katzen vor allem von Wühlmäusen, Feldmäusen und Waldmäusen. Insbesondere im Winter, wenn die Mäuse unter einer dicken Schneedecke versteckt sind, jagen die Katzen häufig aber auch junge Hasen und Kaninchen. In seltenen Fällen greifen sie aber auch auf Vögel, Eidechsen, Fische, Frösche, Eichhörnchen und sogar Insekten zurück. Erwachsene Hasen und Rehkitze werden nur selten angegriffen. In Notzeiten kommen für die Wildkatzen allerdings auch pflanzliche Nahrungsmittel und Aas in Frage. An dieser Ernährung sollte sich natürlich auch die Fütterung einer Wildkatze im Gehege orientieren.

Besonderheiten und Geschichte

Wildkatzen haben sich Vermutungen zufolge aus der europäischen Art „Felis silvestris lunensis“ entwickelt. Diese soll bereits im Pliozän, also vor etwa zwei Millionen Jahren in Europa heimisch gewesen sein. Vor etwa 300.000 Jahren soll sich aus dieser Art dann die modernen Wildkatzen entwickelt haben. Während es hier um die europäische Wildkatzen geht, gibt es allerdings auch andere Wildkatzen-Arten. So etwa die Falbkatze aus dem afrikanischen Raum, die übrigens auch der Vorfahre Deiner Hauskatze ist und die Steppenkatze aus dem asiatischen Raum.

Die europäische Wildkatzen leben vor allem in Wäldern – insbesondere in Misch- und Laubwäldern, die keiner Störung durch den Menschen unterliegen. Auch entlang von Küsten und am Rand von Sumpfgebieten lassen sich oft Wildkatzen beobachten. Ebenso wie in der mediterranen Macchie und in Auwäldern.

So sind die natürlichen Feinde der wilden Katze Wölfe und Luchse, die sich im selben Lebensraum aufhalten. Jungtiere der Katzenart werden oft aber auch von verschiedenen Adlerarten, etwa dem Seeadler oder dem Steinadler, aber auch vom Uhu oder von Habichten erbeutet. Eine deutlich größere Bedrohung für die Tiere ist allerdings der Mensch. Er ist es, der die Lebensräume der Katzen immer weiter, durch den Bau von Städten und durch die Nutzung von Flächen für die Landwirtschaft, zerstückelt. Auch der Verkehrstod bei der Straßenüberquerung oder Fehlabschüsse, die aufgrund von Verwechslungen mit verwilderten Hauskatzen vorkommen, stellen eine Bedrohung dar.

Deshalb werden die Wildkatzen in Deutschland bereits seit dem Inkrafttreten des Reichsjagdgesetzes im Juli 1934 und des Bundesjagdgesetzes im Jahr 1952 geschützt. Sie wird seither ganzjährig geschont. Seit 2007 gibt es zudem den sogenannten „Wildkatzenwegeplan“. Dabei handelt es sich um ein Netz aus Büschen und Bäumen, die einen Rückzugsort für Wildkatzen und andere Waldbewohner bieten. Gepflanzt wurde ein solches Netz im Herbst 2007 zwischen dem Thüringer Wald und dem Nationalpark Hainich. Weiter ging es 2009 in Rheinland-Pfalz. Hier wurde der Bienwald mit dem Pfälzerwald verbunden. Darüber hinaus gibt es im nördlichen und südlichen Rheinland-Pfalz zwei Auffanggehege für Wildkatzen. Ein weiterer Wildkatzenkorridor wird seit 2011 im niedersächsischen Holzminden und den zum Landkreis zugehörigen Städten gepflanzt. Weitere „grüne Korridore“ werden ebenfalls seit 2011 vom BUND in Hessen, Baden-Württemberg, Thüringen und in Rheinland-Pfalz errichtet. Hier werden die Wälder durch neu gepflanzte Bäume und Büsche wieder miteinander verbunden. So haben die Katzen Zugang zu neuen Lebensräumen.

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  • wildkatze-bett: #183306558 - © JuliaNaether - AdobeStock