Deine Katze putzt sich ständig? Wenn Spielzeug und Fressen sie nicht mehr davon abhalten und vielleicht schon kahle Stellen im Fell sichtbar sind, könnte Deine Katze unter Overgrooming leiden, dem Putzzwang bei Katzen.

Wann man von Overgrooming spricht

Overgrooming ist ein gebräuchlicher Begriff für ein bestimmtes Katzenverhalten. Die Katze übertreibt es dabei mit der Fellpflege. Putzt sich eine Katze mal an einem Tag etwas mehr als üblich, leidet sie nicht direkt unter Putzzwang. Aber wenn das selbstzerstörerische Verhalten über einen längeren Zeitraum gezeigt wird, ist an Overgrooming zu denken.

Die Katze übertreibt es mit der Fellpflege, wenn es das Einzige ist, was sie interessiert. Jede Spielaufforderung wird ignoriert, auch ein Leckerchen kann die Katze nicht vom Lecken des Fells ablenken. Haarbüschel in der Wohnung, kahle Stellen oder auch Kratzen können darauf hinweisen: Die Katze putzt sich zu häufig. Wenn eine Katze unter Putzzwang leidet, ist das nicht immer gleich offensichtlich. Teilweise gehen die Tiere ihrem gestörten Verhalten heimlich nach.

Overgrooming kann eine echte Suchtschleife werden. Der Katze tut das Lecken und Rupfen des Fells vermeintlich gut, weil es das Belohnungszentrum anspricht. Der Körper will immer mehr von diesem Glück erfahren und darum putzt die Samtpfote sich immer und immer wieder. Dabei kann es zu starken Verletzungen kommen. Die Schmerzen ignoriert die Katze aber zugunsten des Glücksgefühls.

Katze putzt sich

Warum sich Katzen putzen

Das Ausschütten von Endorphinen bei der Fellpflege ist normal. Überall gelten Katzen als saubere Tiere. Diese Reinlichkeit hat aber nicht nur echte Vorteile für das Überleben, sondern auch eine Funktion in der Kommunikation mit Artgenossen.

Wenn Katzen draußen leben, sind sie der Witterung ausgesetzt. Das Fell wird dadurch geschmeidig und wasserabweisend. Das Lecken am Fell regt die Talgdrüsen zur Fettproduktion an. Die Katze regt die Durchblutung der Haut an, indem sie mit massierenden Bewegungen auf ihren Körper einwirkt.

Für die Katze hilft Putzen auch, um sich bei Hitze zu kühlen. Sie befeuchtet ihre Pfötchen und reibt sich damit das Fell ein.

Stehen Katzen unter psychischem Druck, machen sie sich sauber. Putzen dient dem Stressabbau. Die Katze setzt Glückshormone frei. Die Glückshormone helfen der Katze, mit schwierigen Situationen zurechtzukommen. Beobachte mal das Verhalten Deiner Katze, wenn sie mit etwas konfrontiert ist, was ihr Angst macht. Du wirst sehen, dass sie sich ihre Flanke putzt, bis Du den Auslöser entfernst. Putzen ist damit also eine Übersprungshandlung. Sie tritt auf, wenn Deine Katze nicht fliehen kann und nicht angreifen will.

Körperhygiene kann auch ein Zeichen für Langeweile sein. Hat das Tier nichts zu tun, fängt es an sich mit Fellpflege zu beschäftigen.

Unter Katzen wirkt Putzen als Beschwichtigungssignal. Sie zeigt damit, dass sie in keinem Fall eine Gefahr darstellt.

Wenn Deine Katze ein normales Putzverhalten zeigt, wird sie sich hauptsächlich in drei Situationen dem Felllecken widmen:

  • Wenn sie mit Fressen fertig ist.
  • Wenn sie gerade gespielt hat.
  • Wenn ihr gerade gekuschelt habt oder eine andere soziale Interaktion stattfand.

Ab wann sich die Katze zu oft putzt

Einen ersten Hinweis auf ein zwanghaftes Putzverhalten geben Dir die folgenden Situationen: Reinigt sich Deine Katze deutlich häufiger aus anderen Anlässen, solltest Du aufmerksam werden. Kannst Du ein solches Verhalten nicht beobachten, weil es nachts oder in Deiner Abwesenheit stattfindet, sind Entzündungen der Haut sowie vermehrter Haarausfall mögliche Indizien für Overgrooming.

Circa dreieinhalb Stunden Fellpflege am Tag sind normal. Aber dazwischen liegen immer Pausen. Selten widmet sich eine gesunde und ausgelastete Katze mehr als zehn Minuten am Stück ihrer Sauberkeit. Gerade, wenn das Lecken des Fells als soziales Kommunikationsmittel oder zum Stressabbau in unbedenklichem Rahmen genutzt wird, kann es sich um Sekunden handeln, in der sich die Katze putzt.

Ab wann es sich um Overgrooming handelt, muss individuell geklärt werden. Ist es besonders warm, kann das verstärkte Putzen einfach einen kühlenden Effekt haben und medizinisch notwendig sein.
Leidet die Katze an Allergien, Endo- oder Ektoparasiten, Organkrankheiten, die hormonellen Einfluss haben, kann Overgrooming ein Symptom sein. Die Tiere versuchen, mit dem Putzen ihr Leiden zu mindern. Bei Schmerzen jeglicher Art reagieren Katzen auch oft mit Putzen.

Spätestens, wenn Deine Katze sich aber vom Putzen nicht mehr abbringen lässt, putzt sie sich zu exzessiv. Die Heftigkeit und die Häufigkeit musst Du also zusammen betrachten. Entdeckst Du haarlose Stellen, nachdem Dir schon aufgefallen ist, dass Deine Katze sich oft putzt, sollte der Tierarzt Dein sofortiger Ansprechpartner sein.

Katze putzt ihr Fell

Ursachen von Overgrooming

Du möchtest herausfinden, was der Grund bei Deiner Katze für ihr vermehrtes Putzen ist? Dann helfen Dir diese Fragen weiter: Hat das neue Putzverhalten Deiner Katze möglicherweise auch psychische Ursachen? Körperpflege ist ein Ventil. Damit bauen die Tiere erfolgreich Stress ab. Dies kann zur Suchtspirale werden und in einer echten Verhaltensstörung enden; der Mediziner nennt sie Stereotypie.

  • Hat sich bei Dir im Haushalt etwas geändert? Hast Du umgeräumt?
  • Gibt es ein neues Haustier?
  • Bist Du der/die neue/r Halter/in?
  • Hast Du gerade viel Stress/bist unausgeglichen?
  • Stehen Katzenklo und Rückzugsort woanders?
  • Hat die Katze einen sicheren Rückzugsort?

Schützt Du Deine Katze, wenn sie ein Freigänger ist, vor Würmern und anderen Parasiten? Parasiten wie Milben erzeugen einen heftigen Juckreiz, auf den die Katze mit heftigem Kratzen und Jucken reagiert.
Ähnlich verhält es sich bei Flöhen. Wobei die Tiere meistens dann stark reagieren, wenn sie eine allergische Flohbissdermatitis ausbilden.

Juckreiz und damit einhergehendes, exzessiv Säubern sind mögliche Anzeichen für Allergien, die nichts mit Parasiten zu tun haben. Hast Du vielleicht das Futter umgestellt? Sprich gegebenenfalls mit Deinem Tierarzt über eine Ausschlussdiät, um den Auslöser zu identifizieren.

Pilzinfektionen, Schmerzen oder Diabetes mellitus können ebenfalls der Grund für das neue Overgrooming bei Deinem Haustier sein.

Tipp: Eine Veränderung an den Ballen kann erster Hinweis auf einen Pilzbefall sein. Geschmeidige Pfoten ohne Risse mindern das Risiko, dass pathogene Keime und Pilze eindringen können.

Was tun bei einem Putzzwang der Katze

Du solltest einen Tierarzt aufsuchen, wenn Du das Verhalten bei Deiner Katze beobachtet hast. Findest Du den Stressor, kannst Du ihn selbst entfernen.

Falls nicht, können spätestens die Hautverletzungen, die infolge des Overgroomings langfristig entstehen, für Dein Tier ernsthaft gefährlich werden. Wunden eröffnen pathogenen Keimen den Eintritt in den Körper. Superinfektionen bis hin zur Blutvergiftung sind denkbar.

Außerdem sammeln sich durch das heftige Putzen und Fellabtragen Knäule aus Haaren in Magen und Darm. Katzengras hilft, die Haarbälle zu lösen, aber es droht im schlimmsten Fall ein Darmverschluss.

Tipp: Streichle Deine Katze nicht, während sie sich putzt. Damit bestätigst Du ihr Verhalten noch zusätzlich. Bestrafe sie aber auch nicht, damit machst Du ihr noch mehr Stress.

Ist das Putzen aber durch eine Krankheit induziert, lässt es bei einsetzendem Therapieerfolg meistens von ganz alleine nach. Wichtig ist, dass Du sofort einen Tierarzt aufsuchst, sodass Deiner Katze geholfen werden kann!

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