München – Sogar für die Münchner Tierrettung war diese Eichhörnchen-Rettung ein ganz besonderer Notfall. Letzten Freitag verfing sich ein Eichhörnchen in einem Gullydeckel, die eigentliche Rettung lief höchst dramatisch ab.

Eine Frau aus dem Münchner Stadtteil Giesing entdeckte das arme Tier, das sich so fest in einem Gullydeckel verfangen hatte, dass es weder raus noch rein konnte. Da die Wildtierassistentin der Münchner Tierrettung , Franziska Bauer, gerade in einem anderen Einsatz war, riet sie der Anruferin das Tier mit Pflanzenöl versuchen zu befreien – doch vergebens, das kleine Eichhörnchen steckte zu fest.

Rettungsaktion vorerst vergebens

Als Franziska Bauer, die Wildtierassistentin am Einsatzort in der Perlacher Straße eintraf, war das kleine Eichhörnchen bereits stark unterkühlt und kraftlos. Die Vorderkrallen des Kleinen waren durch die Befreiungsversuche bereits stark abgewetzt. Mit dicken Handschuhen und Pflanzenöl versuchten die beiden Frauen das Tier aus dem Gullydeckel zu befreien – doch vergeblich, das Eichhörnchen steckte einfach zu fest.

Doch schließlich gelang es der Wildtierassistentin und der Anruferin den Gullydeckel anzuheben und von unten an das Tier heranzukommen. Doch auch dieser Versuch scheiterte vorerst. Nach einer guten Stunde dann der Durchbruch – den beiden Frauen gelang es die kleinen Pfoten des Eichhörnchens langsam und vorsichtig nacheinander aus dem Gullydeckelloch zu ziehen. Zum Schluss gelang es den Beiden schließlich den Kopf des Kleinen nach unten durchzuschieben und ihn zu befreien.

Eichhörnchen "Olivio" kurz nach seiner Rettung

Eichhörnchen „Olivio“ kurz nach seiner Rettung

Nach der Rettung kommt Eichhörnchen „Olivio“ in eine Münchner Auffangstation

Nachdem das erschöpfte Tier in ein Handtuch eingewickelt und mit Glucose gestärkt wurde, ging es für den Kleinen weiter in die Münchner Auffangstation des Vereins „Eichhörnchen Schutz e.V.“. Wie das Tier in solch eine missliche Lage kommen konnte, ist nicht klar. Allerdings scheint so etwas öfters vorzukommen. Deswegen werden die Tiere nicht im städtischen Gebiet ausgesetzt, sondern in einem Waldstück nahe München – ganz ohne Gullygefahr, aber mit viel Platz zum Austoben.

Mittlerweile hat sich „Olivio“ – wie er von Mitarbeitern der Auffangstation genannt wird – erholt und knabbert lebenslustig an den ersten Weihnachtsnüssen.

"Olivio" ist nach seiner Rettung schon wieder putzmunter

„Olivio“ ist nach seiner Rettung schon wieder putzmunter

Gründerin und Vizepräsidentin der Tierrettung, Stadträtin und Rechtsanwältin Dr. Evelyne Menges dazu: „Solche Fälle häufen sich im Stadtgebiet. Wenn Eichhörnchen so etwas geschieht, sollten sie wegen ihres Schockzustandes – selbst wenn sie von Findern befreit werden können – auf keinen Fall sofort freigelassen werden. Sie brauchen dringend professionelle Hilfe, zum Beispiel in einer Auffangstation, um sich in Ruhe erholen zu können. Falls Sie ein solches Tier im Kanaldeckel finden sollten, empfehle ich vorsichtig eine Decke über den Kopf des Tieres zu legen, damit es sich beruhigen kann und dann die Tierrettung zu alarmieren. Der Finder sollte sich, falls vorhanden, mit Handschuhen vor etwaigen Bissen schützen: Eichhörnchen können in Stresssituationen durchaus sehr aggressiv reagieren.“

Bildquelle:

  • Kurz nach der Rettung: © Tierrettung München e.V.
  • Eichhörnchen in Auffangstation: © Tierrettung München e.V.
  • Eichhörnchen steckt in Gullydeckel fest: © Tierrettung München e.V.