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Weißbauchigel sind ein verhältnismäßig neuer Trend unter den kleinen Haustieren. Großartig andere Ansprüche als andere Tiere ihrer Größenordnung stellen sie zwar nicht, dennoch sind die kleinen Stachelkameraden nichts für jedermann.

Eine besondere Spezies aus dem heißen Süden

Weißbauchigel, oder korrekter Ateleric albiventris, sind eine Unterart des Afrikanischen Igels. Ihr Haupt-Merkmal: Wo unsere mitteleuropäischen Braunbrustigel komplett in einem kräftigen Braunton gehalten sind, haben die kleinen Afrikaner am Bauch beinahe schneeweißes Fell und weiße bis weißgraue Stacheln.

Und „klein“ ist auch das Stichwort: Weißbauchigel, die im ganzen mittleren Teil von Afrika von Senegal bis nach Somalia beheimatet sind, sind ein ordentliches Stück kleiner als die hiesigen Exemplare; selbst große Tiere werden selten länger als 25cm und sollten in Gefangenschaft auch nicht mehr als 500, maximal 600g für große Tiere, wiegen. Eine Handvoll Igel, aber mit tollen Eigenschaften.

Putzmunter in der Nacht

Weißbauchigel sind dabei durchweg nachtaktiv. Das macht sie (ähnlich wie auch Hamster) zu keinen guten Haustieren für Kinder unterhalb des Teenager-Alters. Hinzu kommt, dass die Igel definitiv (und konträr zu dem, was man in vielen YouTube-Videos sieht) auch keine Kuscheltiere sind, sie sind Raubtiere. Viele lassen sich zwar gerne anfassen. Aber Igel sind eben ganz schön stachelig, auch ohne, dass sie diese aufstellen. Einmal falsch angefasst und es kann pieken bis hin zu ein paar (kleinen) Blutstropfen an den Fingern.

Insofern sind Igel eher etwas für ältere Kids und auch Erwachsene, die einen kleinen Exoten besitzen möchten – ein schlechtes Gewissen muss man dabei nicht haben, die Tiere gelten als nicht gefährdet. In der Natur sind die Weißbauchigel (die im Netz auch „Hedgies“, von engl. Hedgehog für Igel, genannt werden) Einzelgänger und können deshalb problemlos auch als solche gehalten werden.

Übrigens: Igel neigen, wenn sie sich ärgern, fürchten oder auch einfach nur etwas bockig sind, dazu ein ganz spezielles Geräusch zu machen, das in der Szene als „Nuffen“ bekannt ist.

Woher man sie bekommt

Weißbauchigel wurden erst Mitte der 1990er in den USA ganz langsam zum Haustier gemacht. Und bei uns sind sie auch heute noch eine ziemliche Seltenheit, die sich kaum in klassischen Zoohandlungen finden lässt. Wer einen Weißbauchigel sucht, sollte sich vertrauensvoll an private Züchter wenden, die es in praktisch jedem Bundesland gibt und die – die Igel-Community ist überschaubar – vor allem auf den sozialen Netzen sehr gut organisiert sind.

Bei gleicher Gelegenheit sollte man sich von seinem Züchter auch unbedingt Adressen von Tierärzten geben lassen – nicht jeder Doc, der mit Pfote und Schlappohr umgehen kann, weiß auch, was bei Igeln zu tun ist.

Ein Schmankerl für Heimwerker

Ein Weißbauchigel kann in einem Terrarium gehalten werden – das immer auf Augenhöhe, etwa in einem Regal steht, damit der Igel sich nicht erschrickt, wenn man ihn packt (greift man ihn von oben, denkt er mitunter, man wäre ein Raubtier und rollt sich ein).

Aber: Terrarien sind deshalb suboptimal, weil man sie von allen Seiten einsehen kann. Igel wollen aber tagsüber in einer dunklen Ecke sein. Besser sind deshalb Eigenkonstruktionen aus Holz oder Faserholzplatten, die nur vorne über wegschiebbare Scheiben aus Plexiglas verfügen – das hat übrigens auch den gewichtigen Vorteil, dass die Wärme darin sehr gut gehalten wird. Weißbauchigel benötigen konstant mindestens 20, besser 25°C, notfalls durch eine Wärmelampe.

Ein Tier sollte mindestens 150x50x50cm zur Verfügung haben. Um das zu realisieren, braucht es nur eine Fahrt zum Baumarkt: Die Platten kann man sich zurechtschneiden lassen. Zum Zusammenbau braucht es zusätzlich nur Holzplattenschrauben und einen möglichst leistungsfähigen Akkuschrauber.

Dieses Werkzeug benötigt es übrigens auch ein zweites Mal – denn mit dem Terrarium alleine werden die kleinen Stachelschnauzen nicht glücklich, sie brauchen täglich Auslauf. Dazu kann man auf dem Fußboden (unbedingt in der Wohnung) einen Freilauf aus weiteren Holzplatten bauen. Ideal ist es, wenn der Igel sich hier drin jeden Abend für einige Stunden aufhalten und herumlaufen kann (was Igel mit einer enorm hohen Geschwindigkeit vermögen, die man als Laie nicht für möglich halten würde).
Tipp: Alle Holzteile sollte man innen mit Spielzeuglacken anstreichen, das macht sie pflegeleichter.

Übrigens: Sowohl Terrarium wie Freilauf benötigen eine, mit feinem Katzenstreu ausgelegte Eck-Toilette. Die kleinen Tiere sind nämlich i.d.R. sehr reinlich.

Das braucht der Igel

Eines vorweg: Man braucht keine dedizierten „Igel-Spielzeuge“. Wer etwas kaufen möchte, kann sich an Katzen- bzw. Nager-Toys halten, das alles ist auch Igel-tauglich. Aber, und das ist wieder etwas, das für den Igel spricht, die Tiere können sehr günstig bespaßt werden und sie sollten es auch, denn Igel sind enorm neugierige Kerlchen, die überall gerne ihre Nase hineinstecken

  • Eine auf beiden Seiten mit etwas Küchenkrepp verstopfte Toilettenpapierrolle, in der ein paar Leckerli liegen
  • Große Rindenstücke
  • Tannenzapfen
  • Äste
  • Blumentöpfe als Versteck
  • Ein Schüsselchen voller Kieselsteine

Nur sollte man alles, was man aus der Natur mitbringt, in einem Gefrierbeutel für mindestens 48 Stunden tieffrieren, damit Keime usw. abgetötet werden.

Beim Laufrad/-Teller scheiden sich die Geister. Wenn, sollten Teller bevorzugt werden, weil sie den Igel nicht zwingen, im Hohlkreuz zu laufen. Aber auch dann sollten sie nur als Ergänzung im Freilauf stehen und dürfen niemals den echten „Hofgang“ ersetzen.

Und grundsätzlich gilt: „Zu viel“ Spielzeug kann es für den Igel nicht geben.

Und was frisst der?

Neben täglich frischem Wasser in einem Napf besteht die Grundlage der Igelnahrung darin, diese möglichst realistisch wiederzugeben. Das bedeutet, Grillen, Heuschrecken usw. sollte das Tier an einigen Tagen pro Woche bekommen – bitte lebende Tiere, damit der Jagdinstinkt bedient wird. Dazu wird Katzen-Trockenfutter gereicht (bitte unbedingt auf die Packung schauen und auf einen hohen Fleischanteil jenseits der 50% achten. Kein Zucker). Fleisch geht, allerdings sollte es vorher ohne Öl und Gewürze durchgebraten werden. Niemals darf jedoch Schwein serviert werden

Tipp 1: Die Trockenfutter-Bröckchen können gierigen Igeln manchmal im Mund hängenbleiben. Das lässt sich umgehen, indem man eine Handvoll in einen Gefrierbeutel packt und diese, bevor man sie anschließend in eine Vorratsdose packt, mit einem Küchen-Holzhammer oder einer Suppenkelle zerkleinert.

Tipp 2: Igel sind kleine Nimmersatts. Die Trockenfutter-Brocken sollten zwei flach-volle Esslöffel täglich nicht überschreiten; einmal wöchentlich sollte man das Gewicht protokollieren. Viel mehr als 500g sollten es bei ausgewachsenen Exemplaren nicht sein.

Bildquelle:

  • Stachelkameraden im Wohnzimmer: Weißbauchigel als Haustiere: @amayaeguizabal - ©Pixabay.com